Samuel Capricornus (1628-1665)

wer

Barbara Fink, Canto

Rudolf Brunnhuber, Alto

 

dolce risonanza

Gunda Hagmüller, Violino primo

Szabolcs Illés, Violino secondo

Florian Wieninger, Violone & Viola di Gamba

Anton Holzapfel, Clavicembalo

Matthias Krampe, Organo di legno

 

was

Geistliche Concerti und Sonaten von Samuel Capricornus, Heinrich Schütz, Antonio Bertali, Andreas Rauch, Giovanni Felice Sances u.a.

 

wann und wo

am Samstag, 12ten Oktober 2013

19:30

Lutherische Stadtkirche

Dorotheergasse 18, 1010 Wien

Kartenpreise

   VORVERKAUF: oeticket oder ticketonline - siehe Links links

 

   Abendkasse: 1 Stunde vor Beginn

   Kat A: EUR 20,-- Kat B: EUR 15,--
   für SchülerInnen und Studierende EUR 15,--//EUR 10,--

   freier Eintritt für InhaberInnen des Kulturpasses!

Wer war Samuel Friedrich Bockshorn, genannt Capricornus?

Wie gelangte der Sohn eines evangelischen deutsch-böhmischen Pastors in die bedeutende Position des herzoglich württembergischen Capellmeisters in Stuttgart?

Welchen Anteil hatte die katholische Kaiserliche Hofkapelle in Wien daran?

Und warum priesen sowohl Heinrich Schütz in Dresden als auch Giaccomo Carissimi in Rom seine Werke?

 

Das Wiener Originalklangensemble dolce risonanza geht diesen Fragen nach und präsentiert das Werden eines der erstaunlichsten Komponisten des 17. Jahrhunderts zwischen den Konfessionen.

 

 

Mit Samuel Capricornus stellt "Musik am 12ten" einen Barockkomponisten in den Vordergrund, der maßgeblich musikalischen Stil der Wiener Hofkapelle im deutschen (protestantischen) Sprachraum verbreitete.

 

Geboren in Schertitz bei Brünn oder Scharditz nördlich von Prag als Sohn eines evangelischen Pfarrers verbrachte er seine Gymnasialzeit in Ödenburg und kam dort sicher intensiv mit Andreas Rauch, dem vormaligen Wien-Hernalser protestantischen Kantor (siehe "Musik am 12ten" im September) in Kontakt. Anschließend lernte er als Musiker am Wiener Hof Antonio Bertali und Giovanni Valentini kennen, bevor er nach Stationen in Reutlingen und Pressburg schließlich 1657 zum Hofkapellmeister nach Stuttgart berufen wurde.

 

Sein umfangreiches Schaffen fand weite Verbreitung; sehr zu Unrecht konnte er bislang im heutigen Musikleben kaum aus dem Schatten Heinrich Schütz' heraustreten.

 

"Musik am 12ten" dokumentiert mit seinem Werk auch das Wirken von Andreas Rauch in die nächste Generation.

 

Zum Komponisten

Samuel Friedrich Capricornus - lateinisch für Bockshorn - ist der Sohn eines evangelischen Pastors. Sein Geburtsort - Schertitz bei Brünn oder Scharditz nördlich von Prag, das die Schweden im 30-jährigen Krieg dem Erdboden gleich gemacht haben - ist heute nicht mehr feststellbar.

Als Folge der rigorosen Maßnahmen der Gegenreformation muss die Familie fliehen. Wie viele deutsch-böhmische Exulanten [sic] gehen sie ins königliche Ungarn, das zwar auch habsburgisch ist, aber der Bevölkerung als Puffer gegen die Türken weitgehende Rechte der freien Religionsausübung eingesteht.

Wir finden den fleißigen Knaben 1640 in Ödenburg (Sopron) wieder, wo er die Schule besucht und beim berühmten Kantor Andreas Rauch das musikalische Rüstzeug für seine erstaunliche Karriere bekommt.

Anschließend studiert er Theologie, Sprachen, Philosophie und Musik in Schlesien, Straßburg und Reutlingen, immer wieder kehrt er aber durch den Kriegswirren im Reich zu seiner Familie nach Preßburg (Bratislava) zurück.

 

Spätestens im Jahr 1649 ist Samuel Capricornus in Wien zum Studium in der kaiserlichen Hofkapelle. Er beruft sich im Streit mit Boeddecker immer auf seine Lehrer, die Hofkapellmeister Giovanni Valentini und Antonio Bertali. Da er der lutherischen Lehre treu bleiben will, ist eine Anstellung am erzkatholischen Hof unmöglich, seine Ausbildung verhilft ihm so zur Anstellung als Lehrer und Director musices der Dreifaltigkeitskirche in Preßburg. Das Musikleben der ungarischen Haupt- und Krönungsstadt, die nicht nur räumlich eng mit Wien verbunden ist, wird von Capricornus nachdrücklich belebt und gestaltet. Hier entsteht mit dem OPUS MUSICUM 1655 der erste von zahlreichen Drucken, ein umfangreiches Werk ganz im italienisch geprägen Wiener Imperialstil. Kein geringerer als Heinrich Schütz nennt diese Stücke „Opera virtuosa“. Auch mit Giacomo Carissimi, dem Kapellmeister am Collegio Germanico in Rom, steht Capricornus in regem Kontakt, jener führt an Sant’ Apollinare sogar dessen Musik auf.

 

1657 schließlich wird Samuel Capricornus zum herzoglich württembergischen Capellmeister in Stuttgart ernannt. Allerdings bringt ihm die Leitung dieser ehrwürdigen Institution kein Glück: Die Kapelle, angestachelt vom Stiftsorganisten Boeddecker, opponiert gegen ihn, seine Ehe verläuft unglücklich, schwere Krankheit prägt diese Zeit. Erstaunlich bleibt die schöpferische Fruchtbarkeit, die sich im Umfang seiner sowohl im Druck veröffentlichten als auch in Abschriften weit verbreiteten Kompositionen zeigt. Etliche Drucke erscheinen posthum, einige Werke werden sogar noch im 18. Jahrhundert abgeschrieben und aufgeführt, aber etliches ist der Nachwelt auch in der Zwischenzeit verloren gegangen.

 

Durch diese weite Verbreitung gilt Samuel Capricornus als einer der bedeutendsten und einflussreichsten evangelischen Komponisten der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum.