Marianna von Martines – Komponistin in Wien 1744 – 1812 und ihre Zeit

wer

 

 

Martina Daxböck, Sopran

 

 

Katrin Auzinger, Alt,

 

Gernot Heinrich, Tenor

 

Matthias Helm, Bass

 

Albert Schweitzer Chor

Neue Hofkapelle Graz

Leitung: Matthias Krampe 

 

 

 

  

was

 

 

 

Werke von Joseph Haydn,

 

Giuseppe Bonno und

 

Florian Gassmann

 

 

wann und wo

 

   

 

12. Juni 2021,

19:30 Uhr

 

 

Lutherische Stadtkirche,

 

Dorotheergasse 18,

 

1010 Wien 

 

 

 

 

Kartenpreise

 

Tickets im Vorverkauf unter oeticket.com                                                          

Kartenpreis: 28/22,- €, ermäßigt 22/16,- €

  

Kinder & KulturpassinhaberInnen: Eintritt frei

 

Abendkassa 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn       

 

 

 

Marianna von Martines (1744 – 1812) – eine lohnende Entdeckung

Obwohl im letzten Jahr anlässlich ihres 275. Geburtstages manche Aufmerksamkeit auf eine der wichtigen Komponistinnen-Persönlichkeiten der Musikgeschichte gelenkt wurde, ist Marianna von Martines doch auch und gerade in der Stadt ihres Lebens und Wirkens, Wien, so gut wie unbekannt geblieben. Die Tochter eines Neapolitaners und einer Deutschen wurde vor allem vom Hofdichter Pietro Metastasio, mit dem sie im selben Haus lebte, in ihrer Erziehung und Ausbildung geprägt. Musikalisch hatte sie schon als Kind Klavierunterricht bei Joseph Haydn, als Sängerin war sie Schülerin von Porpora und Komposition erlernte sie u.a. beim späteren Hofkapellmeister Giuseppe Bonno. 

Zu ihrem Wirken in Wien berichtet das Sophie Dringer Institut: „Ihre ersten Auftritte fanden am Wiener Hof statt: Kaiserin Maria Theresia „ließ sie sehr oft zu sich rufen, um sich an den Kunsttalenten derselben auf mannigfache Weise zu ergötzen; und Joseph der II., bekanntlich ein nicht minderer Freund der Tonkunst, pflegte bei dieser Unterhaltung der Martines gewöhnlich die Noten umzublättern“. 1772 besuchte Charles Burney Metastasio, und dieser bat Marianna Martines, dem Gast vorzusingen und -zuspielen: „Sie übertraf wirklich noch die Erwartung, die man mir von ihr beygebracht hatte. Sie sang zwo Arien von ihrer eignen Komposition, über Worte von Metastasio, wozu sie sich selbst auf dem Flügel accompagnirte, und zwar auf eine wohlverstandne meisterhafte Manier; und aus der Art, wie sie die Ritornelle spielte, konnte ich urtheilen, daß sie sehr fertige Finger hätte“.  Im Jahr 1773 erhielt sie Besuch von W. A. Mozart und seinem Vater. Nachdem sich W. A. Mozart 1781 in Wien niedergelassen hatte, nahm er häufig an ihren „musikalischen Abendunterhaltungen“ teil, die „wenigstens einmal in der Woche“ stattfanden. […] Mit ihren Musikabenden beeinflusste sie in den 1780er und 1790er Jahren das Musikleben Wiens maßgeblich.“ 

Ein Höhepunkt ihrer Anerkennung war wohl die Aufnahme in die Accademia filarmonica in Bologna 1773 als erste Komponistin überhaupt. In dieser Zeit entstanden einige ihrer wichtigen geistlichen Werke, so dass „Dixit Dominus“. Das Diplom der Accademia filarmonica rühmt „die Zierlichkeit, das Genie, den Adel des Ausdrucks und die erstaunliche Präzision“ ihrer Kompositionen.

Der Albert Schweitzer Chor unter Leitung von Matthias Krampe unternimmt nun einen ambitionierten Versuch in einem Sonderkonzert der Reihe „Musik am 12ten“, Marianna von Martines der Vergessenheit zu entreißen. Ihren beiden großen Psalmvertonungen „In Exitu Israel de Agypto“ und „Dixit Dominus“ werden Werke ihres Umfeldes vom o.g. Giuseppe Bonno und dem ebenfalls zu Unrecht vergessenen Florian Gassmann – beide erstmals aus den Handschriften wieder aufgeführt – sowie eine in etwa zeitgleich entstandene Haydn-Sinfonie gegenübergestellt. Musikalische Partner sind neben der Neuen Hofkapelle Graz Martina Daxböck, Ida Aldrian, Markus Miesenberger und Matthias Helm.

Ihre Musik mag für sich selbst sprechen – Martines erweist sich als versierte und feine Komponistin auf der Höhe der Kunst ihrer Zeit, und sie steht hierin in keiner Weise dem zu ihrer Zeit beträchtlichen Ruhm als Sängerin und Pianistin nach.

 

 

Matthias Krampe